Im Rahmen der Workshopreihe zur „Diversitätssensiblen Versorgung“ wurden im Februar und März 2017 Vertreter und Vertreterinnen unterschiedlicher Versorgungsbereiche (Arztpraxen, Krankenhäuser, Pflege, Beratung, Betreuung, Therapie) für einen diversitätssensiblen Umgang in der Arbeit mit Menschen mit Demenz in Legden und Ahaus geschult. Hierzu gehörten die Sensibilisierung für die Belange der unterschiedlichen Zielgruppen, aber auch konkrete Handlungsempfehlungen für die praktische Arbeit – vom Erstgespräch über die Anamnese, Interventionsplanung, Behandlung / Pflege / Therapie bis hin zum Monitoring. Die Workshops waren partizipativ angelegt, d.h. die Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten die Möglichkeit, eigene Fragestellungen in die Workshops einzubringen.

Trauma und Demenz

Viele alte und hochaltrige Menschen leiden an den Folgen traumatischer Erlebnisse, mit denen sie im Lebensverlauf konfrontiert wurden. Sie reagieren hierauf mit verschiedenen Verhaltensweisen und Symptomen, die leider oftmals fälschlicherweise als Demenz oder (Alters-)Depression diagnostiziert werden. Darüber hinaus kommt es in der praktischen Arbeit immer wieder vor, dass bei einer diagnostizierten Demenzerkrankung Traumafolgen übersehen werden. 
Werden Traumafolgen nicht als solche erkannt und anderen Erkrankungen / Störungsbildern zugeordnet, führt dies häufig zu falschen Behandlungsmaßnahmen und Stigmatisierungen, die 
die Ursachen – auch aktueller – traumatischer Erlebnisse nicht mit einbeziehen. So erhalten die alten Menschen in ihrem Erleben und in aktuellen Gewaltsituationen nicht die Unterstützung, die sie benötigen. Warum dies so ist und wie die Betroffenen von Pflegenden, Betreuerinnen sowie Betreuer und Angehörigen unterstützt werden können, wurde im Workshop vorgestellt und mit den Teilnehmern und Teilnehmerinnen anhand von Fallbeispielen aus ihrer Praxis erarbeitet.

Migration und Demenz

Statt spezielle Angebote für bestimmte Migrantinnen und Migranten-Gruppen zu entwickeln, sollten bereits vorhandene pflegerische Strukturen, haus- und fachärztliche Versorgungsstrukturen und die Versorgung durch Apotheker und Apothekerinnen geöffnet, intersektional und interprofessionell vernetzt werden und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für eine diversitätssensible pflegerische Versorgung vorbereitet, sensibilisiert und weitergebildet werden. Eine Möglichkeit kommunaler, interprofessioneller Vernetzung für die Versorgung demenzerkrankter Menschen mit und ohne Migrationshintergrund wurde gemeinsam mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Workshops diskutiert.
Die Haltung und Praxis einer diversitätssensiblen Pflege ist ebenso wie die kultursensible Pflege als dauerhafter, reflexiver Prozess zu verstehen, die durch die Verantwortlichen von Pflegeangeboten initiiert und gefördert und durch Pflegekräfte im pflegerischen Alltag gelebt werden. Aus diesem Grund erzielte der Workshop auch den reflexiven Umgang mit der eigenen Kulturgebundenheit der Teilnehmerinnen sowie Teilnehmer und eigenen Erfahrungen mit als fremd empfundenen Situationen oder Menschen.

Behinderung und Demenz

Das Seminar informierte über die Situation von Menschen mit einer demenziellen Erkrankung. Zum einen standen dabei die Erkrankungsbilder selbst im Fokus – zum anderen werden die besonderen Lebens- und Umweltbedingungen von Menschen mit demenziellen Erkrankungen besprochen, in denen eine häusliche und institutionelle Begleitung stattfindet. Darüber wurde ein Bewusstsein geschaffen, das sich im Spannungsfeld zwischen den Prämissen „Teilhabe“ und „Selbstbestimmung“ und den besonderen Anforderungen von Menschen mit Behinderungen, aufgrund der demenziellen Erkrankung entstanden sind, bewegt. Zudem ging es darum, die Teilnehmenden zu inspirieren, von ihren Erfahrungen im Umgang mit erkrankten Menschen mit Behinderung zu berichten, oder – wenn diese (noch) nicht vorliegen – Fragen aufzunehmen, um Ansätze und Möglichkeiten der Begleitung und Unterstützung zu sammeln und zu diskutieren.

Referentinnen

Referentin des Workshops „Trauma und Demenz“ war Frau Martina Böhmer, Fachberaterin für Psychotraumatologie bei der Kölner Beratungsstelle Paula e.V., des Workshops „Migration und Demenz“ Dr. Hürrem Tezcan-Güntekin, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Bielefeld, Fakultät für Gesundheitswissenschaften und des Workshops „Behinderung und Demenz“ Frau Dr. Jutta Hollander, Leiterin der Europäischen Senioren Akademie.

2017-04-19T13:22:06+00:00