Hintergrund 2018-09-11T12:17:23+00:00

Das Projekt „Gemeinsam – Professionsübergreifende Zusammenarbeit für ein menschlicheres Gesundheitssystem“ (EFRE-0800224, GE1-1025A) wird gefördert vom Land NRW und der Europäischen Union im Leitmarktwettbewerb Gesundheit.NRW.

Im Gesundheitswesen arbeiten viele verschiedene Professionen meist unabhängig und nebeneinander auf unterschiedlichen Informationswegen zusammen. DerPatient oder die Patientin selber muss in der Regel zwischen den verschiedenen Akteuren vermitteln und individuelle Daten bzw. Befunde an die entsprechenden Dienstleister/-innen weiterleiten. Dieses Vorgehen geht oft zu Lasten der Betroffenen, besonders bei Menschen mit Demenz.

Das Projekt GEMEINSAM möchte dagegen eine multiprofessionelle Zusammenarbeit in einem sektorenübergreifenden Netzwerk für eine bessere Demenzversorgung und –betreuung im Westmünsterland erproben. In dem Netzwerk arbeiten Akteure des Gesundheitswesens, wie z.B. Ärztinnen und Ärzte, Pflegende sowie Physio- oder Ergotherapeuten und -therapeutinnen gemeinsam in einem professionsübergreifenden Team zusammen. Dabei soll eine diversitätssensible Versorgung, die biografieorientiert, genderspezifisch und kultursensibel angelegt ist, gewährleistet werden. So können betroffene Menschen mit Demenz im Netzwerk GEMEINSAM bestmöglich versorgt und betreut werden.

Hintergrund des Projektes: Multiprofessionalität

Ein modernes, leistungsfähiges und kosteneffizientes Gesundheitswesen benötigt die reibungslose Zusammenarbeit der verschiedenen Professionen: Pflege, Medizin, Physio-, Ergo-, Logo und Psychotherapie, Gesundheitsberatung und so weiter.

Interdisziplinarität, Multiprofessionalität und sektorenübergreifende Zusammenarbeit sind im Gesundheitssystem aber defizitär.

Es gibt starre, ausgrenzende Professionsstrukturen. Vorbehalte und Grenzziehungen führen zu einer Abschottung der Disziplinen voneinander und zu einer gestörten Kommunikation untereinander.

Patientinnen und Patienten sind oft die „Kommunikationsbrücke“ zwischen den ärztlichen, therapeutischen, beratenden und pflegenden Professionen.

Wenn Patientinnen und Patienten sich nicht adäquat verständigen können (z.B. Menschen mit Demenz), entstehen in diesem System massive Probleme.

Handlungsfeld Demenz

Das Thema Demenzversorgung ist Gegenstand zahlreicher Forschungs- und Entwicklungsprojekte und Initiativen. Demenzprävention und Demenzfrüherkennung hingegen werden zwar seit einigen Jahren beforscht, finden in der Praxis jedoch kaum Anwendung.

Früherkennung wie auch Prävention von Demenz sind dann erfolgreich, wenn die verschiedenen Akteure des Gesundheitswesens ihre jeweiligen Diagnosen, Behandlungs- und Versorgungspfade professionsübergreifend abstimmen. Erste Ansätze hierfür zeigt das Netzwerk Demenzprävention Westmünsterland, das im Projekt „Gesund älter werden“ entwickelt und aufgebaut wurde.

Professionsübergreifende Zusammenarbeit erfordert in diesem Bereich jedoch noch Pionierarbeit bei der Konzeption entsprechender durchgängiger Diagnose- und Präventionsinstrumente.

Handlungsfeld Zielgruppenansätze

Die gender- und kultursensible Gesundheitsversorgung steckt derzeit noch „in den Kinderschuhen“, insbesondere im Rahmen der Früherkennung.
Medizinische Konzepte der Demenzversorgung sind stark auf Männer ausgerichtet, während sich pflegerische oder Präventionsangebote sich stark an den Verhaltensdispositionen der Frauen orientieren.
Menschen mit traumatischen Erfahrungen, langanhaltenden psychischen Belastungen, Migrationshintergrund sowie Menschen mit Behinderung und Menschen aus benachteiligten sozialen Verhältnissen sind Hochrisikogruppen für Demenz. Sie werden aber mit den Standardverfahren nicht adäquat erreicht.
Im Projekt stehen daher zielgruppengerechte Konzeptentwicklungen für diese Gruppen im Vordergrund.

Entwicklungsziele

Aufbau eines Studienzentrums zur „Förderung der Zusammenarbeit im Gesundheitswesen“

  • Forschung und Beratung zur Etablierung professionsübergreifender Netzwerke
  • Weiterbildungsangebote für Akteure des Gesundheitswesens

Aufbau eines Informationszentrums „Menschlicheres Gesundheitssystem durch  professionsübergreifende Zusammenarbeit am Beispiel Demenz“

  • Demonstration und Information vor Ort im multiprofessionellen Netzwerk Westmünsterland
  • Landesweite Verbreitung von Leitfäden, Handreichungen und Instrumenten

Professionsübergreifende Zusammenarbeit erfordert in diesem Bereich jedoch noch Pionierarbeit bei der Konzeption entsprechender durchgängiger Diagnose- und Präventionsinstrumente.

Strukturziele

Entwicklung und Erprobung von

  • gendergerechten, inklusiven, biografieorientierten und kultursensiblen Ansprachekonzepten und
  • professionsübergreifenden, auf die individuellen Bedarfe abgestimmten Behandlungspfaden

zur Prävention, Früherkennung und Teilhabe am Beispiel Demenz.

Schaffung von konzeptionellen und instrumentellen Voraussetzungen zur flächendeckenden Umsetzung der Strategien professionsübergreifender Demenzprävention und -versorgung in anderen Regionen von Nordrhein-Westfalen.

Arbeitspakete

  • Systematisierung der bisherigen Erfahrungen
  • Konzeptentwicklung gendergerechter, inklusiver und kultursensibler Demenzprävention und -versorgung
  • Durchführung eines Modellversuchs zum multiprofessionellen Versorgungsansatz bei 100 Patientinnen und Patienten
  • Aufbau des Informationszentrums „Schaufenster professionsübergreifende Zusammenarbeit“
  • Aufbau des Forschungszentrums zur Förderung der professionsübergreifenden Zusammenarbeit im Gesundheitswesen
  • Information und Beratung von Initiativen, Projekten und Netzwerken
  • Transfer und Öffentlichkeitsarbeit

Unsere aktuellen Neuigkeiten:

Qualitätszirkel GEMEINSAM

Zur Sicherung einer qualitativ hochwertigen professionsübergreifenden Zusammenarbeit wurde der Qualitätszirkel GEMEINSAM ins Leben gerufen. Hierfür wird ein professionsübergreifendes Kompetenztraining und Qualifizierung für medizinische Fachangestellte und Pflegekräfte [...]

Netzwerkmanagerin im Netzwerk Gemeinsam

Das Netzwerk Gemeinsam hat nun offiziell eine zertifizierte Netzwerkmanagerin. Martina Schrage absolvierte erfolgreich den entsprechenden Lehrgang und wird von nun an die professionsübergreifende Zusammenarbeit im [...]

Netzwerktreffen GEMEINSAM

Am 19.04.2018 tagte das Projektetzwerk Gemeinsam  und das von der KVWL zertifizierte Gesundheitsnetz Gemeinsam Westmünsterland e.V. (GG WML) im Haus Wessling in Legden. Anwesend waren [...]

7 Schritte im Netzwerk Gemeinsam

Im Gesundheitswesen arbeiten viele verschiedene Professionen meist unabhängig und nebeneinander auf unterschiedlichen Informationswegen zusammen. Der/die Patient_in selber muss in der Regel zwischen den verschiedenen Akteuren_innen [...]

Das Münsterländer Memorandum

Interdisziplinarität, Multiprofessionalität, sektorübergreifende Zusammenarbeit: Diese Themen stehen in vielen Branchen mit Recht ganz oben auf der Agenda. Das Gesundheitssystem ist dabei allerdings Nachzügler und nicht [...]